Wenneine Geste mehr erzählt als ein Gesicht. Wenn Menschen aufeinanderreagieren, ohne es selbst zu bemerken. Wenn sich für einen kurzenMoment etwas zeigt, das gleich darauf wieder verschwunden ist.
Beobachtethabe ich schon immer. Menschen, Situationen, Bewegungen, zufälligeBegegnungen und die kleinen Geschichten, die sich daraus ergeben. DieFreude daran, solche Zusammenhänge zu entdecken, begleitet mich seitmeiner Jugend. Dass darin auch eine fotografische Möglichkeit liegenkönnte, wurde mir erst viel später bewusst.
DieKamera gibt mir heute die Möglichkeit, diese Beobachtungenfestzuhalten. Dabei suche ich nicht unbedingt nach demAußergewöhnlichen. Oft faszinieren mich gerade die beiläufigenDinge, die im nächsten Augenblick schon wieder vergessen sind.
Ichtanze Tango Argentino. Vielleicht hat das meinen Blick verändert.Tango lebt vom Zuhören, ohne zu sprechen, vom Reagieren, ohne zuwissen, was als Nächstes geschieht. In der Fotografie finde ichetwas Ähnliches: aufmerksam sein, wahrnehmen und demUnvorhersehbaren Raum lassen.
MeineKamera begleitet mich durch den Alltag, auf Reisen, zu Musik, Tanzund Begegnungen. Die Fotografie nimmt einen großen Teil meinerfreien Zeit ein.
ObservedIntimacy – Beobachtete Näheist ein Sujet,der viele meiner Bilder verbindet. Dabei geht es nicht allein umVertrautheit oder Zärtlichkeit. Nähe kann auch fremd,widersprüchlich, komisch oder unbequem sein.
Zunehmendinteressiert mich auch, was jenseits des einzelnen Augenblicks liegt.Wer sind die Menschen, die ich fotografiere? Was tun sie, was bewegtsie? Aus dem beiläufigen Beobachten entsteht langsam der Wunsch,genauer hinzusehen, nachzufragen und Geschichten über mehrere Bilderhinweg zu erzählen.
Meinefotografischen Arbeiten wurden mehrfach international ausgezeichnetund für Ausstellungen ausgewählt, unter anderem vom Swiss PhotoClub (Top 50) und bei den Exposure One Awards.
Diego Reger